Leinen los für die Blasmusik!
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen, aber wenn 91 Musiker aus ganz Nordrhein-Westfalen auf ein Schiff gehen, noch mehr.
Anfang September trafen sich 91 Musiker aus ganz Nordrhein-Westfalen zu einer Reise mit der Costa Diadema in Richtung Norden. Begonnen hatte alles mit der Idee des Kreisdirigenten des VMB Bergisches Land, Roland Pütz, nochmals eine Kreuzfahrt für Blasmusiker zu organisieren, war man doch 2016 und 2019 bereits mit ca. 70 Musikern durch das Mittelmeer gereist. Für dieses Mal hatte er sich gemeinsam mit einem Reisebüro die Route von Kiel über Kopenhagen nach Stavanger ausgesucht.
Schon nach kurzer Zeit gab es mehr als 50 Anmeldungen, größtenteils von Wiederholungstätern, die auch schon bei den ersten beiden Reisen dabei waren. Im Januar verkündete Roland, dass er inzwischen 85 Anmeldungen habe und alle Sätze recht gut besetzt seien mit Ausnahme von Horn, Oboe und Fagott. Bis zur ersten Probe am Ende der Osterferien hatte sich die Anzahl der Musiker dann doch tatsächlich auf 95 Musiker erhöht, jedoch blieb unser einzelnes Horn und unsere einzelne Oboe weiterhin allein. Ein Fagott ließ sich nicht auftreiben, dafür gab es 2 Bassklarinetten und 2 Baritonsaxofone.
Für die Proben traf man sich in Wipperfürth-Thier, wo uns das Dorfgemeinschaftshaus dankenswerterweise kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde. In 4 Proben haben wir es dann geschafft, ein 2-stündiges Konzertprogramm auf die Beine zu stellen. Die Stückauswahl reichte von Arsenal, Concerto d’Amore, Toccata in d bis zu Polkas und Märschen wie Von Freund zu Freund oder Grenzenlos, was sehr gut passte, denn inzwischen waren alle Musiker Freunde geworden und die Musik sollte grenzenlos erklingen. Natürlich gab es auch einiges an Kölscher Musik, die Roland extra für die Kreuzfahrt in einer Hauruck-Musik zusammengestellt hatte.
Anfang September ging es dann auf das große Schiff. Schon das erste Konzert im Hafen von Kopenhagen musste wegen Wind und Regen abgesagt werden. Ersatz musste her. Dann kam der Aufruf: Treffen um 16.30 Uhr auf Deck 11 an der Aperol Bar mit Instrumenten und allen Noten. Schnell waren Stühle besorgt und das Konzert an der Reling konnte starten. Wir kämpften kräftig mit dem Wind und manches Notenblatt wäre beinahe über Bord gegangen. Aber das Publikum auf dem Schiff war dankbar. Diese standen über uns an der Reling von Deck 12 und erfreuten sich an den Klängen und forderten immer wieder Zugaben, wozu wir auch gerne bereit waren. Beendet wurde das Konzert dann mit vielen frierenden Musikern mit der Vogelwiese, auf die selbst Italiener abfahren.
Am nächsten Tag, dem Seetag, gab es dann direkt das nächste Konzert. Hinter einem wunderschön beleuchteten Pool gab es eine Auftrittsfläche und das Publikum saß um den Pool. Hier konnten wir ein komplettes Konzertprogramm mit allen Musikern aufführen. Am Abend gab es dann noch Hauruck-Musik anlässlich eines Geburtstages und eines Silberhochzeitspaares bei den Musikern (beide Schlagzeuger).
Am nächsten Tag konnten wir dann die Einfahrt in die Fjorde beobachten. Manch einer hat vorher gedacht, wie soll das große Schiff durch die Fjorde fahren. Vorbei an den 7 Schwestern ging es nach Geiranger, wo die meisten einen Ausflug mit dem Bus in die Landschaft unternahmen.
Nun sollte das langersehnte Konzert im Theater an Bord folgen, doch oh weh, nach den neuesten Sicherheitsbestimmungen durften nur 45 Personen auf der Bühne Platz nehmen. Was nun? Schnell wurde eine Lösung gefunden, wurde das Konzert in 2 Teile aufgeteilt und die Musiker ebenfalls. Inzwischen war bekannt geworden, dass leider ein Musiker, der mit seiner Familie mitfahren wollte, zu Hause verstorben war. Zu seinem Gedenken wurde sodann das Stück Von guten Mächten wunderbar geborgen eingefügt, woraufhin die Musiker die Bühne gemeinsam verlassen haben.
Weiter ging es dann nach Stavanger. Dort sollte ein Kirchenkonzert stattfinden. Doch wen wundert es, auch hier traten Probleme auf. War doch kurz vor unserer Abreise König Harald von Norwegen verstorben und dessen Beisetzung und Trauerfeierlichkeiten fanden genau zu dem Zeitpunkt in Oslo statt, wo unser Konzert in Stavanger angesetzt war. So begann der Weg zur Kirche mit einer Wanderung durch die schöne Stadt Stavanger, nachdem alle großen Instrumente in einen Van verladen waren. Um 13.00 Uhr haben wir dann wie von der norwegischen Regierung gewünscht eine Trauerminute für König Harald eingelegt, um sodann alle Plätze für das Konzert herzurichten. Um 13.30 Uhr eröffneten wir dann das Konzert mit der norwegischen Nationalhymne sowie dem Stück Von guten Mächten wunderbar geborgen zu Ehren des verstorbenen Königs. Es gab neben einem ruhigen Programm, alle rockigen Stücke wurden vorher aus dem Programm herausgenommen, noch ein Stück über die Schwerter von Stavanger (The Swords of Stavanger) und als letztes Stück ein österreichisches Beerdigungslied, Is scho still uman See, welches sehr gut zur gesamten Atmosphäre des Konzertes passte.
Nachdem dann alle großen Instrumente verladen wurden, gab es noch einen Stadtrundgang, bevor es wieder auf das Schiff ging. Dort ließ man dann den Tag in feuchtfröhlicher Runde ausklingen.
Es ging wieder auf See hinaus und der letzte Seetag stand an und für einige der Musiker ein weiteres Highlight. In Lederhose und Dirndl durften wir das Oktoberfest an Bord der Costa Diadema mitgestalten. 2 Stunden Egerländer Blasmusik mit Polka und Walzer. Das Publikum war begeistert und selbst Italiener fragten, wo wir denn herkommen, was teilweise in italienischer, englischer und deutscher Sprache geführt wurde. Am Abend mussten dann die Koffer gepackt werden, denn schließlich sollten diese bis Mitternacht vor der Kabinentür stehen, damit wir uns neben unseren Instrumenten nicht noch mit diesen beschäftigen mussten.
Am letzten Morgen ging es dann schon früh los. Um 8 Uhr mussten die Kabinen geräumt werden und es ging langsam wieder in Richtung Heimat.
Abschließend kann man wirklich sagen: Musik verbindet, Musik macht Freu(n)de und passt immer. Wir haben viele neue Freunde gefunden und selbst Mitreisende, die uns vorher nicht kannten, fragten nach Adressen, um in Kontakt zu bleiben.
Für alle war es eine rundum tolle Fahrt und man kann nur allen Verantwortlichen danken, dass sie uns dies ermöglicht haben. Und vielleicht, mit etwas Glück, kommt ja auch nochmals eine solche Reise. Ich würde es mir wünschen.
Text und Bilder: Annemie Lamsfuß